hans und der tägliche Horror
Anmerkungen zur Zeit
Deutschland wird älter - wir sind dabei (hoffentlich) - Zurück zur Übersichtsseite Allzuprivates
Der demografische Wandel

Der demografischen Wandels wird durchgehend als negativ, als Bedrohung unserer Zukunft wahrgenommen. Wie kommt es zu einer solch pessimistischen Betrachtungsweise?

Wir sind von Geburt an gewohnt, die - jeweilige - Zukunft mit unseren in der - jeweiligen - Vergangenheit gemachten Erfahrungen und den in der - jeweiligen - Gegenwart verankerten Sinnen und Gedanken zu erfühlen, was zu einer weitgehend statischen, weil nur kleinste Entwicklungsfortschritte berücksichtigenden Einschätzung führt. Gravierende, sich über Jahrzehnte hinziehende gesellschaftliche Veränderungen oder langfristig wirksam werdende Änderungen der Lebensumstände durch medizinische oder allgemeine wissenschaftliche Fortschritte bleiben fast unberücksichtigt.

Verstärkt werden die individuell wahrgenommenen Eindrücke durch Medien und Politiker. Die einen sind auf eine negative Zukunftsauslegung angewiesen, da nur Horrorszenarien und Katastrophenprophezeihungen hohe Zeitungsauflagen oder existenzsichernde Einschaltquoten garantieren, die anderen sind es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gewohnt, über den Tellerrand der Tagespolitik hinauszusehen; deren Horizont ist in der Regel durch die nächste Landtags- oder Bundestagswahl begrenzt. Dies alles hindert uns daran, die wirkliche Bedeutung des demografischen Wandels zu erkennen.

Die Menschen werden zwar älter, vergreisen aber auch später; das Älterwerden geht einher mit einer längeren Phase der körperlichen und seelisch/geistigen Gesundheit. Die Situation in Deutschland ist, dass die Lebenserwartung im 20. Jahrhundert um 30 Jahre gestiegen, ein heute neugeborenes Mädchen eine Lebenserwartung von ca. 83 Jahren hat und die Chance für ein neugeborenes Baby, hundert Jahre alt zu werden, 50:50 beträgt. Dem zugrunde liegen Untersuchungen, die die Zukunftsentwicklung sehr verhalten hochrechnen und sich die gesundheitlichen Bedingungen nicht weiter verbessern. Zudem ist die Fitness eines heute 65-Jährigen mit einem 1970 55-Jährigen vergleichbar (mithin eines heute 75-Jährigen mit einem damals 65-Jährigen); es handelt sich um "Alte", die bereit und fähig sind, Verantwortung zu übernehmen, man muss sie nur lassen.

Die Chancen für die Gesellschaft

Dies gibt der Gesellschaft die Chance zu einer anhaltend positiven Entwicklung. Welcher Sinn wäre darin zu sehen, einen heute schulreifen, mit einer hundertjährigen Lebenserwartung versehenen Menschen dazu zu bringen, aus einer sinnvollen, ihn befriedigenden Tätigkeit auszusteigen, um die nächsten 30, 35 Jahre ohne aktive gesellschaftliche Teilnahme auf die finale Phase seines Lebens zu warten? Wenn die ausgeübte Tätigkeit nicht sinnvoll und für den Menschen nicht befriedigend sondern belastend ist, so ist dies ein Problem für sich, das gelöst werden muss, aber nicht im Zusammenhang mit dem Rentenalter gelöst werden kann.

Vorausschauend kann gesagt werden, dass es nicht bei der gewohnten Dreiteilung Ausbildung, Arbeit und Freizeit bleiben wird; alles wird durchmischt. Arbeits- und Bildungsphasen wechseln sich ab, monate- oder auch jahrelange Arbeitspausen werden gang und gäbe, Aufgabenverteilungen bei Erziehung und Bildung zwischen Vater, Mutter und öffentlichen/schulischen Institutionen wechseln und gehen ineinander über. Von einem festen Rentenalter kann nicht mehr ausgegangen werden, die Rentenversorgung regelt sich u.a. über lebenslange Arbeitszeitkonten.

Selbst unsere politische Kaste wird die skizzierte Entwicklung nicht verhindern können, zu stark werden sie von den Verhältnissen und mit diesen auch von ihren Partnern aus der Wirtschaft (hüben und drüben, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite) zum Fortschritt gezwungen.

im Juni 2012
hans