hans und der tägliche Horror
Anmerkungen zur Zeit
Mann verwehrt sich nicht dem Fortschritt - Zurück zur Übersichtsseite Allzuprivates
Nun gut, Mann hat sich inzwischen an seine Geschlechterrolle gewöhnt. Mann hat inzwischen verinnerlicht, dass Nikotin, Alkohol, Porsche und Playboy gestern waren und Kita, Eheseminar, Körnerkost und Seifenopern heute sind.
Seien wir doch mal ehrlich: Haben wir das Schreckenskabinett aus den früheren Männerleben wirklich nötig? Was ist denn so toll an Husten, Kater, Angeben und Rückenmarksschwindsucht? Gibt es etwas schöneres, als sich bei Pflichtelternstunden in der Kita liebend mit den wohlerzogenen Bälgern fremder Eltern zu befassen, in trauter Gemeinsamkeit die Argumente eines Ehepsychologen für eine Selbstaufgabe gegenüber dem Partner anzuhören, den zum Wiederkauen animierenden Duft von Rohkost zu genießen oder sich nach der täglichen Hausarbeit zu der chillenden Ehefrau auf das Sofa zu begeben und mit ihr vor dem Fernseher gemeinsame Tränen bei Marienhof zu vergießen?

Aber tut Mann wirklich genug, gibt Mann der Familie und der Gesellschaft das, was zu Recht vom Mann erwartet wird? Wirklich? Kollege, bist Du sicher? Nachfolgend ein paar Anregungen zur Eliminierung deiner widerlichen Machismen und der Umgestaltung der Gesellschaft.

Es kann nicht sein, dass deine Partnerin das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft trägt. Dieses ständige Denken an die durch die Pille auferlegte Terminverpflichtungen ist dem zarten, eher der Poesie verpflichteten Fühlen der Frauen konträr. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ob Du deine Zeugungsfähigkeit wirklich benötigst? Denke daran, dass Du deinen Partner durch einen kleinen, an dir vorgenommenen, kaum spürbaren operativen Eingriff glücklich machen kannst. Sollte deine Partnerin später doch noch den Wunsch nach einem Kind haben, wird sie bestimmt jemanden finden, der dich selbstlos vertreten kann.
Überhaupt müssten unsere geschichtlichen Vergehen gegenüber der Frau auf diesem Gebiet wiedergutgemacht werden. So müsste jeder, der Kinder ausserhalb einer Gemeinschaft oder ohne ausdrückliches Einverständnis des weiblichen Partners zeugt, Sanktionen von Seiten der Gesellschaft ausgesetzt werden.

Einige wenige Jahre Arbeitslager und Windeln waschen könnten hier Wunder, die lebenslange Ächtung Abschreckung bewirken. Unverständlicherweise hat sich das aktive Männerwahlrecht bis in unsere modernen Zeiten gehalten. Während das passive Wahlrecht für Männer inzwischen - nicht rechtlich, sondern aufgrund einer auf Vernunft beruhenden gesellschaftlichen Übereinkunft - weggefallen ist (Bundeskanzlerin, Außenministerin, Bischöfin, Bürgermeisterinnen in allen wichtigen Großstädten), können Männer immer noch ihre Wählerstimme abgeben, ein Anachronismus. Aufgrund der Belastung der Männer durch Haushalt und Kinder sowie die damit einhergehenden schwächer werdenden außerhäuslichen Kontakte wird dem Mann die politische Außenwelt immer fremder und es wird vermutlich erforderlich, ihn von den Belastungen solcher Verpflichtungen zu entbinden.

Viele gesellschaftlichen Verwerfungen auf dem zwischengeschlechtlichen Gebiet sind auf die staatliche Bildung zurückzuführen. Glücklicherweise haben sich die Verhältnisse im Grundschulbereich inzwischen so weit geändert, dass etwa 95% der Lehrer weiblichen Geschlechtes sind, in anderen Schulformen sieht es aber leider ganz anders aus. Nur, ist dies nicht zu kurz gedacht? Wozu benötigt ein Mann eine breite Schulbildung? Das für ihn nötige Wissen - lesen von Gebrauchsanweisungen, Ausfüllen von Banküberweisungen an frühere Partnerinnen, Unterschreiben von Unterwerfungserklärungen u.ä. - kann schon innerhalb von wenigen Jahren erworben werden. Als erfreulicher Nebeneffekt resultiert hieraus, dass er schon sehr früh in die für ihn zugänglichen Bereiche der Gesellschaft integriert werden kann. Alles in Allem: Durch eine kluge, vorausschauende Lenkung der staatlichen Bildungseinrichtungen erledigt sich die Sache mit den männlichen Lehrern von selbst.

Männer, verwehrt euch nicht dem Fortschritt, immer forsch nach vorn, in unsere Freiheit, unsere innere Unabhängigkeit. Alice Schwarzer: Man darf dem Manne nicht seine Ketten brechen, man muss ihm klarmachen, dass er nur in Ketten glücklich ist.

hans
im Januar 2010