hans und der tägliche Horror
Anmerkungen zur Zeit
Wenn wir den heiligen Vater deutscher Nation nicht hätten, wir wüssten nun wirklich nicht, wo es lang ginge. Als echter Deutscher und Kraft seines von ziemlich oben verliehenen Amtes hat er jetzt unsere englischen Nachbarn unmissverständlich darauf hingewiesen, dass Gesetze von Menschenhand eine Sache sind und die gottbestimmte Ordnung der Natur eine andere und dass sich die ersteren nach der zweiteren zu richten hätte.

Kurz: Er hat den Engländer unmissverständlich klargemacht, dass sich das zur Zeit dort in Beratung befindliche Gleichstellungsgesetz gegen die Naturgesetze richtet, weil es auch Schwulen und Lesben Chancen bei der Besetzung von Verwaltungsstellen in kirchlichen Büros sichert.

Wie schön ist es doch, dass es in unserer von Unsicherheit und täglicher Änderung der Weltsicht geprägten Welt noch Felsen der Unbeirrbarkeit gibt. Nicht umsonst heisst es bei Matth. 16, 17-19 "Du bist der Fels" in Bezug auf einen seiner Vorgänger. Was hat es uns europäischen Menschen nicht schon für Wohltaten gebracht, dass unsere katholische Kirche immer fest bei ihren Überzeugungen blieb, Wie wurden doch die europäischen Naturwissenschaften von der Kirche mit deren Wissen über die gesetzmässigen Naturläufe reich beschenkt. Wie hat es sie befruchtet, dass auf sanften Druck aus Rom hin Juden keine Lehreberechtigungen an unseren Universitäten bekamen und Erkenntnisse von Newton oder Darwin einige Jahrzehnte in den Schubladen schimmelten, bis die Zeit für ihre Veröffentlichung reif war, wie wird Giordano Bruno ein stolzer Schauder überlaufen haben,

als er am 17. Februar 1600 auf dem Campo de' Fiori auf dem Scheiterhaufen brennend der Allwissenheit des Papstes gedachte. Wenn denn auch im Jahr 2000 der päpstliche Kulturrat und eine theologische Kommission erklärten, die Ermordung sei nunmehr auch aus kirchlicher Sicht Unrecht, so heisst das allerdings nicht, dass die Kirche Ihr geozentrisches Weltbild aufgegeben hat, es heisst nur, dass es nach Möglichkeit zu vermeiden ist, Ketzer öffentlich zu verbrennen.

Ist das Zölibat nicht ein schönes Beispiel für die Festigkeit, mit der die katholische Kirche zu den Naturgesetzen steht? Muss es nicht den Heiligen Vater mit Ehrfurcht vor der Natur erfüllen, wenn er hört, dass sich die Sexualität der Jünger des Ignatius von Loyola wieder einmal ein Ventil gesucht hat und Kinder reihenweise missbraucht wurden? Gibt es ein schöneres Beispiel für das Zusammenwirken der Naturgesetze und dem päpstlichen Wissen über die Wirksamkeit des Zölibats?

Blicken wir nach den USA, dann sehen wir, dass die Zeiten nicht unumkehrbar sind. Der Drang der Menschheit nach Spiritualität, nach Aufgabe des freien Denkens, nach freiwilligem Geknechtetsein wird immer grösser. Welch eine Hoffnung für die heilige römische katholische Kirche. War sie doch immer ein Vorreiter auf dem Weg in die Vergangenheit. Es wird nicht lange dauern, dann wird sich Rom wieder an die Spitze dieser Bewegung setzen, unserem heiligen Vater deutscher Nation sei Dank.

hans
im Januar 2010