hans und der tägliche Horror
Anmerkungen zur Zeit
Talk im Netz: Leerstände-Management in Asbach - Zurück zur Übersichtsseite Allzuprivates
Ein Kreisel ist von Vorteil meist
Nicht nur für den, der in ihm kreist.
Auch das Center freut sich über Kunden,
Die es bekommt über ihn, den runden.
Drum gehören zu des Doktors liebsten Sachen,
Oft auch runde Kreisel, die die andern machen.
Von hans nach dem Gedicht Stohwitwer von Eugen Roth
Leerstände-Management - ein Asbacher Erfolgsmodell
Interview vom 01.04.2020 - vorausempfunden im Januar 2010
hans: Herr Landrat Hallerbach, Herr Bürgermeister Reith, Herr Dr. Mertens (Vorteil-Center), ich begrüße Sie zu diesem Gespräch. Kommen wir gleich zum Thema: Das Anfang 2010 gestartete Projekt "Leerstände-Management" hat sich nach zehn Jahren zu einem vielbeneideten Erfolgsmodell entwickelt, wie erklärt sich das, Herr Bürgermeister?

Reith: Dieses Projekt ist auf eine Initiative von Herrn Hallerbach zurückzuführen. Wie er vorher schon mehrfach bewies, versteht er es wie keine Zweiter, seine geschäftlichen und politischen Belange zu seinen und des Bürgers Bestem zu vereinen. Achim, Du solltest selbst etwas dazu sagen.

Hallerbach: Ja, gerne, danke. Im Rahmen meiner Bewerbung zur Landratswahl 2009 - ich unterlag damals hauchdünn dem Sozialisten Kaul - wurde ich in den Gemeinden des Kreises Neuwied vielfach mit dem Problem der Leerstände konfrontiert, einer Situation, die mir bereits von meinem Heimatort Asbach her bekannt war. Im Zusammenhang mit meinen Überlegungen bezüglich einer langfristigen Auslastung meines in der IT-Branche tätigen Unternehmens kam mir der Gedanke, dass man den Missstand auf kommunaler Ebene mit dem Missstand auf geschäftlicher zusammenbringen müsste, so dass sich beide negieren, also zum Positiven wandeln.

hans: Sehr tief gedacht, Kompliment. Aber es war doch so, dass die Sache in den ersten beiden Jahren sehr schleppend lief, mit anderen Worten: Hohe Kosten, keine Erfolge.

Reith: Richtig. Wie überall in der Politik zeigte sich auch hier, dass Volksvertreter an sich - ob auf kommunaler oder überregionaler Ebene - der Wirtschaft fremd gegenüber stehen, dass die Wirtschaft berührende Probleme nur von Leuten aus der Wirtschaft gelöst werden können. Es zeigte sich, dass der Leerstandsbegriff zu weit gefasst war. Die Bereiche Ladenlokale, Gewerbeimmobilien und Freiflächen aller Art wurde von denen der Gebäude und Wohnungen getrennt und werden seitdem von einem anerkannten Fachmann in diesem Metier, Herrn Dr. Mertens, verwaltet.

hans: Herr Dr. Mertens, Sie, respektive Ihre Familie, sind Inhaber des Supermarktes "Vorteil-Center" mit allem, was auf diesem Gelände zu finden ist, wie Kino, Bowlingbahn, Eislaufcenter, Kinderland sowie Gastronomie, Post, Läden und Boutiquen der verschiedensten Arten. Sahen Sie hier nicht einen Konflikt im Zusammenhang Ihrer neuen Aufgabe und Ihren geschäftlichen Interessen?

Dr. Mertens: Ganz im Gegenteil. Vorausgehend möchte ich betonen, dass ich schon seit Jahren für die CDU in der Kommunalpolitik, insbesondere im Kreistag tätig war und dass mich alleine die Sorge um das Wohl der Menschen in unserem Raum hierzu gebracht hat. Der Gedanke, ich würde geschäftliche Eigeninteressen mit meinen politischen Absichten verknüpfen, ist für Asbacher nicht denkbar. Nun gut. Als Herr Reith und Herr Hallerbach mit dieser Aufgabe auf mich zukamen, war ich nach längeren Diskussionen bereit, mich der Anforderung zu stellen.

Hallerbach: Zuerst mussten die Ziele neu formuliert werden.

Reith: Zum Wohle der Gemeinde.

hans: Was ist darunter zu verstehen?

Hallerbach: Vordringlichstes Ziel musste es sein, den Ortskern wieder attraktiv zu gestalten.

Dr. Mertens: Indem man ihn von allen störenden Elementen wie den restgebliebenen, unattraktiven Läden, Gaststätten, Sparkassen usw. befreie.

Reith: Zum Wohle der Gemeinde.

hans: War es nicht so, dass diese Pläne im Gemeinderat auf Widerstand stießen? Hat nicht das Gemeinderatsmitglied Herbert Grüber von der Partei der parteilosen Parteiischen (PPP) im Rat lautstark gegen diese Pläne polemisiert?

Hallerbach: Ja, hans, Ihr Parteifreund versuchte, die Vorhaben zu desavouieren. Aber mal ehrlich: Wir kennen doch Herbert Grüber. Er hat sich bei Diskussionen nicht immer im Griff und manchmal geht der Gaul mit ihm durch.

Reith: Zum Wohle der Gemeinde.

hans: Nun, lassen wir das. Wie wurden die Pläne umgesetzt?

Dr. Mertens: Ein Gewerbeleerstand ist solange ein Gewerbeleerstand, solange es sich um ein in dem Problemobjekt befindliches Gewerbe handelt. Wandelt man aber die Zweckbestimmung des Leerstandes, so handelt es sich nicht mehr um einen Gewerbeleerstand. Also wurden die Gebäude faktisch umgewidmet. Die Fenster haben wir mit einem hübsch anzuschauenden, in dezenten Farben gehaltenen Mauerwerk versehen.

hans: Von Seiten Günter Beers von der SPD und der Wählergruppe Dahlhausen kamen Vorschläge, die aber, wie mir von zwei, die Gemeinderatssitzungen regelmäßig begleitenden Damen berichtet wurde, ohne längere Diskussion "abgebügelt" wurden.

Reith: So kann man das nicht sagen. Beers Vorschlag, in den Leerständen Sozialcafés, sozialverpflichtete Secondhand-Shops oder Jugendzentren einzurichten, war einfach nicht zu finanzieren. Dahlhausens Vorstellung, in einer Art Asbach-den-Asbachern-Aktion die Leerstände bei der Anmietung durch Asbacher zu bezuschussen, wäre möglicherweise diskussionswürdig gewesen, aber wie üblich verzichtete Herr Dahlhausen auf ein Konzept für die Gegenfinanzierung.

Hallerbach: Es darf natürlich nicht zu einer völligen Ortsentkernung kommen.

Dr. Mertens: Wir wollen, wörtlich genommen, "die Kirche im Dorf lassen", aber Gewerbebetriebe haben innerörtlich nichts zu suchen. Wir haben am Südwestlichen Ortsrand für Gewerbegebiet-Ansiedlungen auf Jahrzehnte noch freie Kapazitäten.

hans: Wen meinen Sie exakt mit "wir"?

Dr. Mertens: Meine Familie natürlich. Wo ist da der Unterschied zu Gemeindeland? Sehen Sie es doch mal so: Siedelt sich ein Unternehmen auf Gemeindeland an, muss es mit Zusagen auf gewerbesteuerlicher Ebene oder ähnlichem gelockt werden, siehe den Fall Birkenstock. Wird das Gelände bei meiner Familie angemietet, ist zum einen die Gemeinde fein raus und zum anderen hat der Anmieter weder Ärger mit der Gewerbe- noch mit der Einkommensteuer; das erledigt sich bei meinen Mietern von selbst.

Reith: Zum Wohle der Gemeinde.

hans: War es nicht so, dass auch die FWG im Rat die Zähne zeigte und den Umwidmungsplänen nur zustimmen wollte, wenn ihre Grundforderung erfüllt würde?

Hallerbach: Wir haben es uns nicht leicht gemacht, da wir ja alle in einem Boot haben wollten. Es war nicht einfach, in meiner Fraktion Zustimmung für die Forderung der FWG zu bekommen, an jedem Objekt, das früher einen Gewerbebetrieb beherbergte, eine entsprechende, bronzene Gedenktafel anzubringen. Erst der Vorschlag von Heinz Gödtner, diese Gedenktafeln ohne Aufschrift zu belassen, führte zum Kompromiss mit der im politischen Umgang nicht leicht zu handhabenden FWG.

hans: Und wie geht es weiter?

Dr. Mertens: Ich denke für alle zu sprechen, wenn ich sage, dass wir gegenüber neuen Leerständen äusserst sensibel reagieren und die bereits vorher erwähnte faktische Umwidmung durch unseren Bautrupp unverzüglich vornehmen werden.

hans: Meine Herren, ich danke Ihnen für das Gespräch.